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Sonntag, 14. Juli 2024

Geothermieprojekt erfolgreich: Versorgung von über 6.000 Haushalten mit klimafreundlicher Wärme

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Hamburg (ots) –

Die Fördertests des Geothermieprojekts in Wilhelmsburg konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Zukünftig kann aus einer Tiefe von über 1.300 Metern 48 Grad warmes Thermalwasser gefördert werden. Ab Frühjahr 2025 können in Hamburg-Wilhelmsburg Haushalte mit Wärme aus der neuen Geothermie-Anlage versorgt werden. Auf der Elbinsel entsteht zudem mit der Zusammenführung der lokalen Wärmenetze und dem angestrebten Ausbau ein weiteres großes Fernwärmenetz der Hamburger Energiewerke (HEnW).

Aufgrund der Fördertests und des derzeitigen technischen Planungsstands der Geothermie-Anlage rechnen die Experten mit einer rein geothermalen Wärmeleistung von zirka 6 Megawatt. Damit lassen sich rein rechnerisch über 4.700 Haushalte versorgen. Mittels eines Wärmetauschers wird dem 48 Grad Celsius warmen Thermalwasser Wärme entzogen und auf den Heizwasserkreislauf übertragen. Durch den Einsatz einer effizienten Wärmepumpenanlage wird das Heizwasser auf das je nach Jahreszeit erforderliche Temperaturniveau der Fernwärme gebracht. Aufgrund des geplanten mehrstufigen Wärmepumpenprozesses kann die gewonnene Wärmeenergie und damit auch die Anzahl der versorgten Haushalte von rechnerisch 4.700 auf über 6.000 erhöht werden.

Mit der neuen Geothermie-Anlage soll das Wärmenetz Wilhelmsburg weiter ausgebaut werden, um fossile Wärmeerzeuger zu verdrängen. Dafür werden die bereits existierenden zwei Wärmenetze – Energiebunker und Energieverbund – zusammengeschlossen, schrittweise verdichtet und ausgebaut. Der Bau des Heizhauses am Geothermie-Standort soll im Frühjahr 2024 starten, der erforderliche Leitungsbau hat bereits begonnen. Außerdem wird die Option für eine Erweiterung des Geothermieprojekts geprüft.

Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Wir setzen in Hamburg alles Machbare um, damit die Wärmewende vorangetrieben wird und wir unsere Klimaziele erreichen. Mit dem erfolgreichen Geothermie-Projekt der städtischen HEnW in Wilhelmsburg werden wir einen weiteren Baustein zur umweltfreundlichen Energiegewinnung nutzen. Mehr als 6.000 Haushalte können damit zukünftig in Wilhelmsburg klimafreundlich versorgt werden. Zu dem Mix aus Wind, Sonne, Abwärme aus der Industrie und der Müllverbrennung gesellt sich jetzt die Geothermie. Ich gehe davon aus, dass die Geothermie als Technologie perspektivisch einen größeren Beitrag zur Dekarbonisierung in Hamburg und der Metropolregion beitragen wird. Und dafür möchte ich mich bei den Hamburger Energiewerken bedanken, die technologieoffen und engagiert an der Wärmewende arbeiten. Mit der Zusammenführung der lokalen Wärmenetze in Wilhelmsburg – Energiebunker und der Energieverbund Wilhelmsburg-Mitte mit der neuen Geothermieanlage – entsteht ein großes Fernwärmenetz der HEnW auf der Elbinsel. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Ausbau der Fernwärme in Hamburg und die konsequente Fortführung und Weiterentwicklung des IBA Projektes ‚erneuerbares Wilhelmsburg‘. Und das Projekt ist ein besonderes Beispiel für den Wärmenetzausbau mit erneuerbaren Energien insgesamt. Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung ist es für uns wichtig, gebietsscharf klimaneutrale Versorgungsoptionen aufzuzeigen.“

Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke GmbH: „Wir konnten erfolgreich ein geothermisches Reservoir im Wilhelmsburger Untergrund erschließen und sind damit einen großen Schritt weiter. Mit der erneuerbaren Wärme können wir unsere Fernwärmeversorgung in Wilhelmsburg ausbauen und verdichten. Wilhelmsburg ist ein gutes Beispiel dafür, welche Bedeutung Fernwärmenetze bei der zukünftigen klimaneutralen Wärmeversorgung von Haushalten haben können. Da Geothermie im norddeutschen Raum noch wenig erforscht ist, gilt mein Dank insbesondere dem Bundeswirtschaftsministerium und der wissenschaftlichen Begleitung. Erst so konnte dieses Projekt ermöglicht werden und kann jetzt einen wertvollen Beitrag für die weitere geothermische Wärmenutzung in Norddeutschland leisten.“

Inga Moeck, Professorin für Geothermie an der Georg-August-Universität Göttingen und Leiterin der Geothermieabteilung am Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, leitet das wissenschaftliche Begleitprogramm mesoTherm: „Die Forschung zur Geothermie in Hamburg-Wilhelmsburg hat uns auch wissenschaftlich sehr weit vorangebracht. Wir haben eine geologische Formation entdeckt, die wir für die mitteltiefe Geothermie weiterentwickeln können. Die Projekte in Schwerin und Potsdam haben ebenfalls Gesteine mit 40 bis 60 Grad Celsius Erdwärme mitteltief erschlossen und sie zeigen: Hierin liegt die Zukunft der Wärmeversorgung in Deutschland.“

Das Projektteam der Hamburg Energie Geothermie, eine Tochter der Hamburger Energiewerke, hat in den vergangenen Monaten spezielle Filterrohre in der Produktionsbohrung eingebaut und über mehrere Wochen Fördertests durchgeführt, bei denen erfolgreich Thermalwasser aus über 1.300 Meter Tiefe gefördert werden konnte. Auch der Injektionstest, bei dem das geförderte Thermalwasser über eine zweite Bohrung wieder in die 130 Meter mächtige Sandsteinschicht zurückgeleitet wird, war erfolgreich.

Das Verbundvorhaben mesoTherm konnte im Rahmen des IW3 Projekts umfangreiche Daten aus der Erkundungsbohrung gewinnen. Dies wird zum weiteren Erkenntnisgewinn der Geothermie im Norddeutschen Becken beitragen. Das mesoTherm-Vorhaben wird federführend von der Georg-August-Universität Göttingen, Geowissenschaftliches Zentrum, zusammen mit der Geothermie Neubrandenburg GmbH (GTN) und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) als assoziiertem Partner durchgeführt und hat das zentrale Ziel, zum Erkenntnisgewinn über die geothermischen Reservoire in Norddeutschland und ihrer möglichen energetischen Nutzung beizutragen.

Das Hamburger Geothermieprojekt ist Teil des Reallabors IW3 – Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg, das eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren anstrebt. Als „Reallabor der Energiewende“, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Vorhaben mit insgesamt 22,5 Millionen Euro, um die Forschung und Entwicklung im Bereich zukunftsweisender Energietechnologien zu unterstützen. Insbesondere das Fündigkeitsrisiko in der Geothermie gilt es durch weitere Erkenntnisse zu mindern.

Neben Wind und Sonne ist Geothermie die dritte Säule der erneuerbaren Energien. Sie ist konstant und lokal verfügbar. Gemäß einer Studie des Umweltbundesamtes kann Tiefengeothermie bis zum Jahr 2050 mit 118 Terawattstunden pro Jahr zur klimaneutralen Wärmeversorgung beitragen. 42 Tiefe Geothermie-Anlagen sind in Deutschland mit einer installierten Wärmeleistung von 417 Megawatt realisiert. Unter tiefer Geothermie werden hier Anlagen mit einer Bohrtiefe über 400 Meter und einer durchschnittlichen Teufe von 2.500 Meter verstanden.

Faktenblatt zur Hamburger hydrothermalen Geothermie

– Tiefe der Produktionsbohrung: ca. 1.400 Meter
– Tiefe der Injektionsbohrung: ca. 1.300 Meter
– Mächtigkeit der Sandsteinschicht: ca. 130 Meter
– Alter der Gesteinsschicht: 45 Mio. Jahre
– Thermalwasser-Temperatur: 48 °C
– Förderrate: ca. 140 m³/h
– Geothermale Wärmeleistung: ca. 6 MW
– Wärmepumpeneinsatz zur Temperaturanhebung des Fernwärmewassers: 75-85 Grad Celsius, je nach Jahreszeit
– Geplanter Baustart Heizhaus: Frühjahr 2024
– Geplanter Start der Wärmelieferung: Frühjahr 2025

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.geothermie-wilhelmsburg.de und www.iw3-hamburg.de

Fotomaterial und Filmmaterial stehen Ihnen hier (https://publicarea.admiralcloud.com/p/uwY2Mn9gP3AbRxFFwWqoBv) zum Download zur Verfügung.

Quelle: Hamburger Energiewerke

Pressekontakt:
Bettina Schwarz
Hamburger Energiewerke GmbH, Unternehmenskommunikation
[email protected]
Telefon: +49 40 6396 2733
Original-Content von: Hamburger Energiewerke, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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