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Montag, 24. Juni 2024

„Mein Italien unter Meloni“: Ingo Zamperoni auf Spurensuche bei Familie und Freunden

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Hamburg (ots) –

Am 22. Oktober 2022 wurde Giorgia Meloni als italienische Ministerpräsidentin vereidigt. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte Italiens steht damit eine Partei mit post-faschistischen Wurzeln an der Spitze der Regierung – gemeinsam mit der rechtskonservativen „Lega“ und der „Forza Italia“ des kürzlich verstorbenen Silvio Berlusconi. Warum haben die Italienerinnen und Italiener so gewählt? Wie macht sich die neue Regierung im ersten Jahr, und was bedeutet dieses Rechtsbündnis für Deutschland und für Europa? Das fragt Ingo Zamperoni in seinem neuen Film „Mein Italien unter Meloni“. Nach „Trump, meine amerikanische Familie und ich“ (2020) und „Trump, Biden, meine US-Familie und ich“ (2022) begab sich der tagesthemen News-Anchor diesmal auf eine sehr persönliche filmische Reise durch Italien – Zamperoni hat die deutsche und die italienische Staatsbürgerschaft. Sein Vater ist Italiener, seit seiner Kindheit ist Ingo Zamperoni mit dem Land eng verbunden, der Großteil der Familie Zamperoni lebt dort bis heute.

„Die meisten Italiener haben sich mit ihrer rechtsnationalen Regierung arrangiert.“ Das ist eine Bilanz von Ingo Zamperoni. Anders als in Deutschland, hätten die Italiener oft kein negatives Bild vom Faschismus und blickten deshalb weit weniger kritisch auf die postfaschistischen Wurzeln ihrer Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den „Fratelli d’Italia“. In seinen Gesprächen u. a. mit Familie und Freunden sei vor allem die enge Anbindung Italiens an Europa betont worden. „Europa und die Gelder aus Brüssel für Rom werden als Korrektiv wahrgenommen“. Tatsächlich, so Zamperoni, agiere Giorgia Meloni auf internationaler Bühne weit moderater, als viele das bei ihrer Wahl vor einem Jahr erwartet hätten.

Zamperonis Spurensuche beginnt am Lago Maggiore, führt über die Prosecco-Weinberge des Veneto, die Adria-Küste und die norditalienischen Städte Bologna und Ferrara über Rom bis nach Catania auf Sizilien. Während Cousine Paola eine Lega-Anhängerin ist und damit die Wahl von Giorgia Meloni zur Ministerpräsidentin gutheißt, verurteilen ihre Schwestern Elena und Sonia den fehlenden Umgang mit der faschistischen Vergangenheit. Auch der Freundeskreis ist gespalten: Stefania aus Bologna wäre nach dem Wahlsieg der „Fratelli d’Italia“ am liebsten ausgewandert, Irene und Federico, die Freunde in Ferrara, aber machen sich keine großen Sorgen, denn irgendwie haben sich die Italienerinnen und Italiener noch immer „arrangiato“ – arrangiert. Darin seien sie Weltmeister, egal, wer gerade an der Regierung sei.

„Giorgia Meloni spricht wie eine von uns“, so sieht das Antonio Brugnatti, der das Adria-Strandbad „Pinguino“ betreibt, das Ingo Zamperoni als Kind und Jugendlicher mit seiner Familie immer besucht hat. Für den Autor und Journalisten der Tageszeitung „Corriere della Sera“ Aldo Cazzullo ist genau diese Volksnähe einer der Hauptgründe, warum sich 26 Prozent der Wählerinnen und Wähler für „Fratelli d’Italia“ ausgesprochen haben. Dass nun im Zentrum der Regierungsarbeit eine restriktive Migrationspolitik steht, erfährt Giovanna di Benedetto von der Nichtregierungsorganisation „Save the Children“ tagtäglich bei ihrer Arbeit. Die jungen Parteimitglieder, die Ingo Zamperoni auf einer Veranstaltung der „Brüder Italiens“ in Rom trifft, aber sind stolz auf den wachsenden Patriotismus in ihrem Land. Meloni habe Italien die Würde wieder gegeben und mache es stark in Europa.

Georgia Meloni agiert auf der europäischen Bühne eher zurückhaltend und pragmatisch – und damit ganz anders, als ihre anti-europäische Rhetorik im Wahlkampf vermuten ließ. „Wir sind diejenigen, die die meisten Schulden haben, also sind wir die Letzten, die sagen können: Jetzt können wir machen, was wir wollen“, sagt Buchautor Aldo Cazzulo. Das habe auch Georgia Meloni erkannt und versuche deswegen, die traditionell guten Beziehungen zu Deutschland und Frankreich fortzuführen, obwohl sie politisch den rechtskonservativen Regierungen von Ungarn und Polen wesentlich nähersteht. Und natürlich bleibe das auch ihr Ziel: eine starke rechtskonservative Mehrheit in Europa – auch wenn man das momentan noch nicht so merke. Mit „Mein Italien unter Meloni“ zeichnet Ingo Zamperoni ein differenziertes gesellschaftspolitisches Porträt seiner zweiten Heimat.

„Mein Italien unter Meloni“ ist ein Film von Ingo Zamperoni und Daniela Agostini. Produziert wurde er von der DOCLIGHTS GmbH im Auftrag des NDR.

Die Sendung „Hart aber fair“ mit Louis Klamroth nimmt das Thema im Ersten am 18. September im Anschluss um 21.00 Uhr auf.

Am Freitag, 15. September, ist Ingo Zamperoni um 22.00 Uhr zu Gast in der „NDR Talk Show“, am 17. September um 18.45 Uhr bei „DAS!“ – beides im NDR Fernsehen.

Die Reportage steht zur Ansicht in den Vorführräumen des Ersten und des NDR Presseportals.

Sendetermine: Montag, 18. September, 20.15 Uhr, Das Erste; ab Freitag, 15. September, 18.00 Uhr, in der ARD Mediathek

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Unternehmenskommunikation
Presse und Kommunikation
Iris Bents
Mail: [email protected]
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Original-Content von: NDR / Das Erste, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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