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Mittwoch, 19. Juni 2024

NDR Projekt „Ein Jahrhundertleben“ wird fortgeführt: Zeitreise durch die deutsche Geschichte mit fünf weiteren Frauen und Männern aus Norddeutschland

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Hamburg (ots) –

Montag, 1. Januar: neue Folge in der ARD Mediathek, um 18.45 Uhr im NDR Fernsehen

Nach dem großen Interesse an den ersten beiden Staffeln von „Ein Jahrhundertleben“ lässt das NDR Fernsehen in einer weiteren Folge rund 100-jährige Menschen tief in ihre Erinnerungen eintauchen. Mit dem Blick in ihre Fotoalben lassen die fünf Männer und Frauen die Zuschauerinnen und Zuschauer an ihren ganz persönlichen Erlebnissen und emotionalsten Momenten teilhaben. Der Blick auf ihre Lebensgeschichten ist zugleich eine Reise durch die deutsche Geschichte – von der Weimarer Republik über das Dritte Reich, die DDR und BRD bis in die Gegenwart. Die neue Folge von „Ein Jahrhundertleben“ ist ab Montag, 1. Januar, in der ARD Mediathek zu sehen und läuft an dem Tag auch um 18.45 Uhr im NDR Fernsehen. Die Dokumentation wird begleitet durch ein umfangreiches Online-Dossier unter ndr.de/jahrhundertleben und durch zwei Wochenserien mit rund 100-Jährigen in den NDR Fernseh-Regionalmagazinen „Nordmagazin“ (ab 1. Januar 2024) und „Hallo Niedersachsen“ (ab 15. Januar 2024).

Das sind die Fünf aus der neuen Folge von „Ein Jahrhundertleben“:

Helga Wienhöfer dürfte die älteste noch aktive Schauspielerin in Mecklenburg-Vorpommern sein. Am 2. Mai 1928 geboren, spielt sie immer noch auf der Barther Boddenbühne. In diesem Winter in einer Komödie, im Sommer wieder im Historien-Spektakel Open Air. Zwei Aufführungen in der Woche, dienstags Keramik-Kurs, donnerstags Physiotherapie. „WH“, wie sie liebe- und respektvoll von ihren Kollegen genannt wird, ist aktiv. „Sonst würde ich mir schon längst die Radieschen von unten anschauen“, sagt die 95-jährige mit einem Lächeln. Ihre Ausbildung machte sie am Theater in Köthen (Sachsen-Anhalt). Mitte der 70er-Jahre sattelte die Schauspielerin und zweifache Mutter für 20 Jahre um und wurde Leiterin eines Kulturhauses in Barth. „Für Kultur war immer Geld da in der DDR. Ganz im Gegensatz zu heute, wo das Theater jeden Euro zwei Mal umdrehen muss“, bedauert sie.

Wenn Edeltraut und Peter Raspe an ihr erstes Zusammentreffen vor 79 Jahren denken, erinnern sie sich beide an einen „unglaublichen Moment und danach an den besten Sommer unseres Lebens“. Der Krieg war noch nicht vorbei. „Traute“ hatte gerade eine wochenlange Flucht mit einem Panjewagen über das Haff hinter sich, Teile ihrer Familie waren verschollen. Peter war nach zehn Jahren in einem Kinderheim von seinen Eltern auf den Gutshof nach Parin in Mecklenburg-Vorpommern geholt worden. Doch das gemeinsame Glück hielt nur kurz: Auf dem Hof brach eine Typhusepidemie aus, Peter erkrankte schwer und lag monatelang isoliert im Krankenhaus. Als er zurückkam, war seine Familie enteignet, das gesamte Inventar des Gutshofs geplündert. Peter ging nach Hamburg, Traute blieb in Parin. Er überquerte die Grenze in die Ostzone immer wieder schwarz und besuchte sie. Im Januar 1947 flohen sie gemeinsam in den Westen. 1954 heirateten die beiden, im selben Jahr kam Tochter Petra zur Welt, neun Jahre später Christa. Traute arbeitete als Kontoristin, Peter als Gartenmeister. Sie bezeichnen es als größtes Glück, „wenn wir uns abends bei den Händen fassen und sagen, wie gut, dass wir uns haben. Und wer kann das schon mit 95?“

Hiltrud Harthus wurde am 25.September 1928 in Osnabrück geboren. Sie zog kurz nach der Geburt mit ihrer Familie aufs Land, nach Niedersachsen und erinnert sich noch sehr lebhaft an diese Zeit. „Primitiv“ ist das Wort, das sie am häufigsten gebraucht. Ihre ersten Kindheitserinnerungen bringen Hiltrud zurück in ein altes Bauernhaus in Hoysinghausen bei Nienburg. Kein Strom, keine Heizung, die Kinderschlafzimmer, vor allem im Winter, eiskalt. Die Toilette ein Plumpsklo. Und trotzdem bekommt Hiltrud Harthus leuchtende Augen, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt. Sie hat liebevolle Eltern, einen zwei Jahre älteren Bruder, mit dem sie sich gut versteht. Als Familie unternehmen sie viel gemeinsam, sind vor allem sehr häufig draußen in der Natur. Diese Liebe zu allem, was grünt, ist bis heute geblieben. Das Haus, in dem Hiltrud Harthus bis heute lebt – im Osnabrücker Ortsteil Sutthausen -, hat einen großen Garten. Und auch ihr Wohnzimmer ist mit vielen bunten Blumen geschmückt. Hier erzählt Hiltrud Harthus von ihrem Leben: von ihrem Studium in Wilhelmshaven, ihrer 65 Jahre währenden Ehe mit ihrem Mann Hans und, vor allem, von ihrer Schulzeit und warum sie gern Lehrerin werden wollte, es aber am Ende nicht geklappt hat. Bis heute trifft sie sich regelmäßig mit Klassenkameraden ihres Abiturjahrgangs 1949.

Helga Rode ist aufgewachsen unter Piloten. Einer Freundin ihrer Mutter gehörte das Flughafenrestaurant in Königsberg, und Helga war noch nicht mal ein Schulkind, als sie das erste Mal im Pelzjäckchen in einem offenen Zweisitzer mitfliegen durfte. Sie kennt noch den Zeppelin und die Dornier Do X, das einst größte deutsche Flugboot, von innen. Bis heute begeistert sie die Fliegerei, und wäre der Krieg nicht dazwischengekommen, wäre sie gern Pilotin geworden. Bei einem Fest lernte sie ihren zukünftigen Mann Hort kennen, sie heirateten 1942 während eines Heimaturlaubs und sahen sich erst 1946 wieder.

Als die russische Front im Januar 1945 näher rückte, floh sie zusammen mit ihrer Mutter aus Königsberg. Bei fast 30 Grad unter null kamen sie auf dem Eisbrecher „Stettin“ unter, später dann auf einem Walfangschiff. Vor Stettin hielt ihr Schiff plötzlich an, an Bord machte sich schreckliche Stimmung breit. Später erfuhren sie, dass direkt vor ihnen die „Wilhelm Gustloff“ gesunken war.

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Quelle: ots

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