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Montag, 30. Januar 2023

NDR Projekt „Jahrhundertleben“ wird fortgeführt – Zeitreise durch die deutsche Geschichte mit acht weiteren Frauen und Männern aus Norddeutschland

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Hamburg (ots) –

„Unsere Geschichte: Jahrhundertleben“: Sonntag, 1. Januar, 18.00 Uhr, und Montag, 2. Januar, 22.00 Uhr, NDR Fernsehen und ARD Mediathek

Umfangreiches Online-Dossier unter ndr.de/jahrhundertleben ab Montag, 19. Dezember

Wochenreihe mit rund 100-Jährigen in „Hallo Niedersachsen“ und „Nordmagazin“ ab montags, 19. Dezember bzw. 2. Januar

Nach dem großen Interesse an den ersten beiden Folgen von „Unsere Geschichte: Jahrhundertleben“ am Anfang dieses Jahres lässt das NDR Fernsehen in zwei weiteren Dokumentationen rund 100-jährige Menschen tief in ihre Erinnerungen eintauchen. Mit dem Blick in ihre Fotoalben lassen die acht Zeitzeuginnen und -zeugen die Zuschauenden an ihren ganz persönlichen, einschneidenden Erlebnissen und emotionalsten Momenten teilhaben. Der Blick auf ihre Lebensgeschichten ist zugleich eine Reise durch die deutsche Geschichte. Wie blicken die acht auf die Vergangenheit und die Gegenwart? Was waren ihre persönlichen Glücksmomente und was hat sie geprägt?

Der 99-jährige Eckhardt Erbguth wohnt in Dabel und arbeitet immer noch in seinem Atelier. Er modelliert Frauenkörper, Tiere, Türklinken. Als Bildhauer und Maler hat er sich in Mecklenburg einen Namen gemacht. Einige seiner Kunstwerke stehen sogar im öffentlichen Raum, so seine „Handglockenspielerin“ vor der Kirche in Dabel oder seine Kranich-Gruppe im Gutspark Wamckow. Geboren wurde Eckhardt Erbguth am 7. März 1923 in Züsow bei Neukloster als Sohn eines Försters und einer Hausfrau. Mit 18 Jahren wurde er Wachsoldat im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“. Dort wählte man ihn aus, Hitler neue Wehrmachts-Uniformen in der Nähe von Salzburg vorzuführen. Erst später erfuhr er, dass diese Vorführung für ein Attentat auf Hitler genutzt werden sollte. Doch die Bombe wurde nicht gezündet. 1953 floh Eckhardt Erbguth kurz vor seiner drohenden Verhaftung aus der DDR: Er hatte für die FDP regelmäßig Schulungsmaterial aus Westberlin geholt. Im Westen machte er Karriere beim Zoll in Münster, kaufte nach der Wende eine stillgelegte Tischlerei. Noch heute kommen jede Woche Schüler, um von dem fast 100-Jährigen zu lernen.

Als Hans Helmut Killinger am 7. Juli 1926 in Rostock geboren wurde, war sein Vater Direktor einer der größten Industriebetriebe im Norden: der Rostocker Neptun-Werft. Mit 16 Jahren wurde Hans Helmut Killinger Flakhelfer, anschließend leistet er Arbeits- und Wehrdienst. Als er 1946 aus britischer Kriegsgefangenschaft nach Papendorf zurückkehrte, wurden er und sein Vater verhaftet. Nach vier Wochen kam Hans Helmut frei, musste aber Rostock innerhalb von 24 Stunden verlassen. Nach einem erfolgreichen beruflichen Neuanfang im Westen studiert der 96-Jährige noch heute jeden Tag die Börsenkurse. Als die Familie nach der Wende die Villa zurückbekam, restaurierte sie der jüngste Sohn von Hans Helmut aufwendig und machte daraus ein Veranstaltungszentrum. In dem erlebt Hans Helmut Killinger prominente Gäste wie Klaus Maria Brandauer, Hannelore Elsner, Friedrich von Thun und viele mehr.

Die 99-jährige Gerda Gidl aus Kiel fing früh an mit Handball und konnte sich so dem Dienst beim „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) entziehen. Im Jahr 1930 trat sie dem THW Kiel bei und ist damit heute das älteste aktive Mitglied des Vereins. Sie ist befreundet mit THW-Stars wie Hein Dahlinger – Namensgeber des THW-Maskottchens „Hein Daddel“ -, Fritz Westerheider und Fritz Weßling. Nach deren aktiven Karrieren spielte sie noch bis Mitte 90 mit ihnen Volleyball. Ihren Enkelkindern ist vor allem ihre unkonventionelle Art des Kochens von früher in Erinnerung: „Null Bio, viel Butter und bloß kein exotisches Gemüse oder gar ausländische Gewürze“.

Walter Benthin, geboren am 28. Januar 1923, war zunächst ein kränkliches Kind. Im Krieg mehrfach verwundet, lernte er im Lazarett seine Frau Erna kennen, eine Krankenschwester. Nach dem Fall der Mauer setzte er sich für die Verständigung von Ost und West ein und bekam in seiner Funktion als Präsident im Schützenverein das Bundesverdienstkreuz verliehen. Heute lebt er in Ratzeburg und hat vier Kinder, 13 Enkel und 17 Urenkel. Und nach dem Tode seiner Frau sogar eine neue Partnerin: Die ist wie er 99 Jahre alt und lebt in Zarrentin. Trotz seines Alters pendelt Walter Benthin regelmäßig.

Gerda Borck (102 Jahre) aus Bremerhaven macht fast alles selbst: Haushalt, Garten, Einkauf, Kaffeekränzchen in der Kirchengemeinde. Selbständigkeit ist ihr sehr wichtig. Und sie ist an allem interessiert, was aktuell passiert: ob Fridays for Future, Genderdebatte oder Energiekrise. Die Seniorin liest jeden Tag die Zeitung und diskutiert gern mit Freundinnen über aktuelle Themen. Gerda Borck leitete viele Jahre ein Erziehungsheim in Ostfriesland und hat bis heute Kontakt zu einigen „ihrer Kinder“. Zeitlebens hat sie versucht, die NS-Zeit für sich aufzuarbeiten, hat diverse Konzentrationslager und vor allem Auschwitz besucht – und war davon tief beeindruckt und schockiert.

Zu den Zeitzeuginnen und -zeugen gehören zudem Elfriede Berkhahn (98 Jahre) aus Ramlingen: Sie genießt nach zwei Jahren Corona wieder den Kontakt mit vielen Menschen beim Erntefest. Wilhelm Schniedering (100 Jahre) aus Melle lebt mit Enkel und Urenkeln unter einem Dach und mag den Trubel. Er macht Gartenarbeit, hilft bei der Ernte auf einer Apfelplantage und grillt am Wochenende mit der ganzen Familie. Und Ingrid Haerder (97), geboren in Hamburg im Juni 1925, wuchs als Kind eines Kapitäns in Blankenese auf und erlebte ebenso wie ihr späterer Mann Schreckliches im Krieg. Trotzdem sprachen sie nie darüber. Der erste Luxusgegenstand nach der Zeit der Entbehrungen war ein kleines Auto aus Holz.

Neben den Dokumentationen im NDR Fernsehen am 1. und 2. Januar um 18.00 Uhr bzw. 22.00 Uhr sowie in der ARD Mediathek und auf dem NDR Doku-YouTube-Kanal (https://www.youtube.com/c/ndrdoku/videos) bietet NDR.de bereits ab dem 19. Dezember 2022 unter ndr.de/jahrhundertleben ein umfangreiches Angebot zu dem crossmedialen Projekt: Entlang der großen historischen Wegmarken erzählen die norddeutschen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in O-Ton-Filmen ihre Geschichten.

Das Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“ im NDR Fernsehen widmet rund 100-jährigen Menschen vom 19. Dezember an jeweils um 19.30 Uhr eine Wochenserie, das „Nordmagazin“ vom 2. Januar 2023 an. Im Radio stellt NDR 1 Niedersachsen am 5. Januar ab 19.00 Uhr in der Sendung „Unser Thema“ die Menschen und ihre Geschichten vor.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
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Iris Bents
Tel.: 040 4156 2304
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Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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